„ABER vs. UND“
In Innovationsworkshops oder Ideationsessions hört man oft: „Gute Idee, aber …“. Was auf den ersten Blick nach kritischem Denken klingt, ist auf der unbewussten Ebene ein kreativer Hemmschuh.
Wie ein kleines Wort unser Innovationsdenken verändert
In Innovationsworkshops oder Ideationsessions hört man oft: „Gute Idee, aber …“. Was auf den ersten Blick nach kritischem Denken klingt, ist auf der unbewussten Ebene ein kreativer Hemmschuh. Denn das Wort „aber“ signalisiert dem Gehirn: Stopp, hier endet der Gedanke. Es stellt eine Grenze, schaltet in den Bewertungsmodus –und mindert damit die Offenheit für neue Assoziationen.
Das kleine Wort „UND“ dagegen wirkt wie ein geistiger Verstärker. Es verbindet, statt zu trennen. Wenn wir sagen: „Gute Idee, und …“, bleibt der gedankliche Fluss erhalten. Das Gehirn bleibt im Modus des Erweiternden Denkens, auch bekannt als divergentes Denken – eine der zentralen Voraussetzungen für kreative Innovation.
Was im Gehirn passiert
Neurowissenschaftlich lässt sich das so erklären:
Das Wort „aber“ aktiviert eher das limbische System und löst milde Abwehrreaktionen aus. Wir hören unbewusst eine Kritik oder Ablehnung. „Und“ hingegen aktiviert Netzwerke im präfrontalen Cortex, die für Offenheit, Problemlösung und Assoziationsbildung verantwortlich sind.
Mit anderen Worten: „UND“ öffnet neuronale Türen, „ABER“ schliesst sie.

Der „UND“-Mindset im Workshop
In Ideation-Sessions nach Design-Thinking-Prinzipien ist genau dieses offene Weiterdenken entscheidend. Wenn Teams lernen, bewusst „und“ statt „aber“ zu verwenden, verändert sich nicht nur die Gesprächsdynamik, sondern auch das Vertrauen im Raum. Beiträge werden nicht als Konkurrenz, sondern als Anschlusspunkte wahrgenommen.
Ein praktischer Nutzen:
- Ideenketten werden länger, weil die Gruppe gemeinsam aufbaut, statt zu unterbrechen.
- Teilnehmende fühlen sich sicherer, ihre Gedanken zu teilen.
- Der kreative Output steigt messbar, da mehr Perspektiven integriert werden.
Viele erfahrene Facilitators machen daraus zu Beginn eines Workshops sogar eine kleine Übung: Jede/r Teilnehmer/in muss bei Feedbacks das Wort „und“ statt „aber“ verwenden. Schon nach wenigen Minuten verändert sich spürbar die Energie und Offenheit in der Gruppe.
Praxisbeispieil aus einem typischen Workshop
Vorher („ABER“-Spirale):
- Person A: „Wir könnten das Onboarding als interaktiven Chat gestalten.“
- Person B: „Gute Idee, aber unsere Zielgruppe will nicht chatten.“
- Person C: „Gute Idee, aber Datenschutz ist heikel.“
Ergebnis: Die Gruppe springt sofort in Risiken/Constraints, die Idee stirbt, bevor Varianten entstehen.
Nachher („UND“-Kette, gleiche Einwände – andere Wirkung):
- Person A: „Wir könnten das Onboarding als interaktiven Chat gestalten.“
- Person B: „…und falls die Zielgruppe nicht chatten will, bieten wir 2 Modi: Chat oder Step-by-step-Karten.“
- Person C: „…und wegen Datenschutz nutzen wir erst generische Beispiele, erst später persönliche Daten.“
- Person D: „…und wir machen daraus einen 10-Minuten-‚Trial‘, der in der ersten Sitzung schon einen Mini-Erfolg liefert.“
Ergebnis: Die Constraints bleiben erhalten, aber sie werden zu Designparametern, die neue Optionen erzeugen (Varianten, Safeguards, alternative Flows).
Fazit
Sprache formt Denken und Denken formt Innovation. Wenn wir das Wort „aber“ durch „und“ ersetzen, schaffen wir nicht nur ein positiveres Kommunikationsklima, sondern fördern gezielt die neuronalen Prozesse, die Kreativität ermöglichen. Ein kleiner sprachlicher Schritt, der im Workshop grosse Wirkung entfalten kann.